Das singalesische Neujahrsfest ist ungefaehr so ein Grossereignis wie bei uns Weihnachten: es gibt freie Tage, die Familien kommen zusammen, es wir viel gegessen und man schenkt sich gegenseitig etwas.
Ich war bei Sureshs Familie eingeladen und haben dort das volle Programm an Traditionen mitgemacht. Vor allem der Neujahrstag ist durch astrologische Berechnungen minutioes geplant. So galt es bis 12:05 Mittag zu essen und den Nachbarn Teller mit typischen Neujahrssuessigkeiten zu bringen. Wir haben leider nicht rechtzeitig geschafft alle Teller zu verteilen, da es aber Unglueck bringt, wenn man danach noch etwas verteilet, musste bis zum naechsten Tag gewartet werden. Ebenso gab es Vorgaben fuer die Zeit, in der man in den Tempel gehen darf. Ich bin mit der ganzen Familie am Nachmittag hingegangen, wie immer unter der Aufmerksamkeit des halben Dorfes... Dann um 19:54 knallten endlich die Kracher draussen und man wuenschte sich ein frohes neues Jahr. Dann wurde im Haus ein Feuerchen angezuendet und auf einem Stoefchen darueber Milch erhitzt. Das wird so lange gemacht, bis die Milch ueberkocht, wenn das denn endlich passiert, freuen sich alle ganz doll und klatschen. Dabei laeuft der Fernseher, auf dem man zusehen kann, wie der Herr Praesident und seine Frau hoechstpersoenlich bei sich zu Hause ihre Milch kochen. Die ueberkochende Milch ist ein Symbol fuer Reichtum, Wohlstand und Ueberfluss...was man sich selbstverstaendlich fuer das kommende Jahr wuenscht.
Die Aktion war ja an sich auch ganz spannend, nur wurde der Rauch im Haus zwischendurch so stickig, obwohl alle Fenster auf waren, dass ich mal ein paar Minuten raus gehen musste...puh...

Nach der Milchkoechlei ging es dann weiter damit, dass man sich der Familienhierarchie entsprechend Betelblaetter ueberreichte und sich dabei bis zu den Fuessen des anderen verbeugte. So standen wir 5 (Amma, Tata, kleiner Bruder, Suresh und Anne) also ein bisschen rum und gaben uns gegenseitig Betelblaetter in die Hand.
Ausserdem wurde jeder der Familie mit dem Nationalgericht kiri bath (Milchreis, der aber hier nicht suess ist) von der Mama gefuettert.
Schliesslich wurden noch kleine Geschenke verteilt, ich habe sogar auch einen Rock geschenkt bekommen und dann wurde natuerlich auch noch gegessen...zum ersten Mal alle an einem Tisch zusammen!
Leider war ich den ganzen Tag ueber ziemlich krank (Erkaeltung oder so was) und habe zwischen den einzelnen Ritualen eigentlich nur geschlafen...deswegen ging es dann auch bald ins Bett fuer mich.
Sehr schoen, dass mal miterleben zu duerfen.
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