Wegen des Neujahrsgfestes war die Firma eine ganze Woche lang geschlossen, heisst auch eine ganze Woche Zeit zu reisen und daher endlich die Gelegenheit weiter entfernte Ziele zu entdecken, die man an einem Wochenende nicht erreichen kann.
So planten wir (Judith, Anne und Suresh) einen Trip an die Ostkueste des Landes.
Montagmorgen ging es dann fuer Suresh und mich also los mit dem Bus einmal diagonal Richtung Nordosten ueber die Insel. Judith wollten wir in unserem Zielort treffen, da sie das Wochenende mit anderen Freunden aus Colombo verbracht hatte. In Habrana, einer verschlafenen kleinen Stadt war dann aber leider erstmal Schluss. Irgendwann fand sich dann aber ein kleiner Van, in dem wir Platz fande, ausser uns waren noch genau 3 andere Menschen Zivilisten in diesem Fahrzeug. Ueberhaupt waren an der Strecke von Habarana nach Trincomalee ungefaehr alle 100m kleine Wachposten mit Militaer aufgestellt und diverseste Checkpoints, um die wir relativ gut drum herum kamen, weil der Kleinbus ja voller zivilem Militaer steckte.
Vielleicht muss ich an dieser Stelle mal ein bisschen was zum Osten und insbesondere noerdlichen Osten des Landes erklaeren, da ich ja jetzt wieder wohlbehalten wieder zu Hause bin, kann ich es ja ruhig erzaehlen. In dieser Gegend tobte bis vor kurzem noch der Buergerkrieg. Links und rechts der groesseren Strassen ist jegliche hoehere Vegetation abgeholzt, um moegliche Angreifer sehen zu koennen, es gibt unzaehlige Checkpoints an denen normalerweise alle Passagiere des Vehikels aussteigen muessen, das Vehikel untersucht wird und jeder seinen Pass zeigen muss und einige Strassen werden allmorgendlich mit Metalldetektoren abgegangen, um moegliche Bomben zu finden.
Mittlerweile ist der Osten aber relativ sicher, meiner Einschaetzung und Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit in ein Bombenattentat zu geraten an ost- und Westkueste im Moment gleich hoch. Ich habe mich auch an keiner Stelle unsicher gefuehlt. Dennoch erinnert einen die aufdringliche Militaerpraesenz und Einschussloecher in Haeusern nachtuerlich wesentlich staerker als im Westen daran, dass im Land immer noch ein undgeloester Konflikt herrscht. Uns ist aber auch aufgefallen, dass die Soldaten im Osten viel netter zu uns waren, als im Westen. Mit einem breiten Laecheln hat man da sofort alle auf seiner Seite und wenn man sich dann noch als Weisser in diese Gegend "traut" ist man eh was besonderes, da natuerlich aufgrund der Sicherheitslage so gut wie keine Touristen mehr an die wunderschoene Ostekueste kommen.
Nachdem wir also den ganzen Tag mit der Reise verbracht haben (Entfernung schaetze ich auf 280km, ja dafuer braucht man hier einen ganzen Tag!) und uns mit Judith, Teresa und Gayan (den Freunden aus Colombo, die ich auch schon kannte) im Guesthouse in Upuveli direkt am Meer (70m bis zum Wasser) getroffen hatte, ging es nach nem Abendessen und ner Runde Kartenspielen dann auch bald in die Kiste.
Denn wenn man schon mal im Osten ist, wird nicht wie sonst immer der Sonnenuntergang, sondern der Sonnenaufgang beobachtet. Leider muss man dafuer unverschaemt frueh aufstehen...5:40.
Aber es hat sich gelohnt, trotzdem es ein bisschen wolkig war. Aber das hat die eigentliche etwas dramtische Schoenheit erst recht reizvoll gemacht! Und ha habe ich zum ersten Mal in dieser Woche gedacht: "wie koennen sich hier Menschen bekriegen?" Es sollte bei weitem nicht das letzte Mal sein...



Die Fischer waren natuerlich schon laengst unterwegs...
Teresa und Gayan mussten sich dann leider am Dienstagmorgen zurueck auf den Weg nach Colombo machen und so fuhren Judith, Suresh und ich mit dem Tuk-Tuk nach Nilaveli (noch etwas noerdlich von Trincomalee). Dort ist der Strand noch einsamer und noch schoener. Es ist eine Schande, dass keine Touristen hier sind, die Hotels krebsen ganz arg vor sich hin hier. Um so besser aber natuerlich fuer uns: so hatten wir den ganzen weiten Strand fuer uns, es ist unglaublich ruhig und einfach wie im Bilderbuch. Sollte ich mal heiraten, ist dieser Ort auf jeden Fall in der engsten Auswahl fuer die Flitterwochen!
Aber wir haben nicht nur auf der faulen Haut gelegen, sondern wollten schnorcheln gehen... Da man dort nicht einfach so mit jedem x-beliebigen Bootsverleih losduesen kann, weil das Meer dort natuerlich von der Navy bewacht ist und weil es gar nix zu leihen gibt, ist ja niemand da...muss man sich halt an die Navyjungs halten! Wir sind dann mit dreien von denen im Motorboot raus zu Pigeon Island gefahren (natuerlich nicht ohne Munitionsguertel und MG mit im Boot). Auf dieser kleinen Insel gibt es nichts ausser ein paar Tieren und wie der name schon sagt, ne ganze Menge Tauben.


Der Strand ist dort nicht aus Sand sondern versteinerten strahlend weissen Korallen...

Dort hab ich mir dann die Schwimmweste umgelegt, Taucherbrille und Schnorchel umgeschnallt und dann gings ab in eine andere Welt. Ich hab so was ja noch nie gemacht, das war wie in einen riesigen Fernseher zu gucken. Lauter bunte grosse und kleine Fische und ein Korallenurwald...
So sind wir dann ein Stuendchen da rumgepaddeln und haben vor uns hingestaunt. Dann haben wir auch noch nen kleinen Hai gesehen... Da es ziemlich heiss wurde sind wir dann auch wieder zurueckgefahren. Und hier noch mal unsere Armyjungs, die sich sicherlich ueber das Extra-Taschengeld von uns gefreut haben.

Den Rest des Tages haben wir dann bei dieser Aussicht, kuehlem Saft und Sandwiches verbracht:

Die Ostkueste ist wesentlich weniger besiedelt und die Infrastrurktur ist wesentlich schlechter, vor allem was die Strassen betrifft. Waehrend ich an der Westkueste immer mit dem Kopf schuetteln muss, wenn jemand Sri Lanka als Entwicklungsland bezeichnet, vergeht einem im Osten das Kopfschuetteln sehr schnell.
Wenn es auch aermlich ist, so ist die Landschaft dennoch wunderschoen. Hier ein Bild vom Weg zurueck nach Upuveli:

Am naechsten Morgen hiess es noch frueher aufstehen, denn wir wollten weiter nach Arugam Bay, das bedeutet einmal die halbe ostkueste runter gen Sueden zu fahren. Allein das waere schon weit, aber es gibt gar keine Busverbindung, die direkt von Trincomalee nach Arugam Bay fuehren wuerde. das beudetet, man faehrt erst wieder 2 Stunden landeinwaerts, um an einer bestimmten Kreuzung wieder Richtung Kueste zu fahren, um dann schliesslich endlich gen Sueden zu fahren. Wir haben an diesem Tag 13 Stunden im Bus verbracht! Dabei gibt es hier, nicht wie ander Ostkueste kleine klimatisierte Intercitybusse, die mal hier und dort halten, sondern grosse klapprige, vollgestopfte Busse, die jeden mitnehmen, der ein Handzeichen gibt.
Abgesehen davon, dass die Reise doch recht ermuedent war, entschaedigte die Aussicht vollends. Dadurch, dass man sich so relativ langsam fortbewegt, sieht man sehr sehr viel von Land und Leuten.
Hier kommen mal ein paar Eindruecke:

Da war die Strasse noch ganz ok...

Sandiger, fast steppenartiger Boden...

...wechselt ab mit morastigen Paddyfeldern...

...und trockenen Weiten.
Unterwegs kamen wir durch Batticaloa, diese Stadt war bis vor kurzem die Frontlinie der Kaempfe, es gab keinen oeffentlichen Transport, keinen Zugang zur Region. Die Gegend um Stadt bis weit suedlich davon war bis vor einigen Monaten noch in der Hand der LTTE und gerade heute, wo ich das hier schreibe, finden die ersten freien Wahlen in diesem Bezirk seit 20 Jahren statt. Ueberall in der Stadt konnte man daher Wahlplakate sehen und selbst Strassen und Brueckenfeiler wurden genutzt, um zur Wahl aufzurufen. Gestern gab es suedlich von Batticaloa, in Ampara einen Bombenanschlag mit 19 Toten, heute am Wahltag ist aber zum Glueck bisher alles ruhig geblieben.

An einigen Stellen des Weges wurde der Krieg dann sehr sehr greifbar. Dort hab es dann diese Landminenwarnungen, die schon etwas unheimlich waren.

Nach dieser langen Fahrt kamen wir dann, im Dunkeln aufgebrochen und im Dunkeln wieder angekommen, endlich nach Arugam Bay. Unterwegs haben wir sicherlich bei 20 Checkpoints oder mehr angehalten, Judith und ich sind dann irgendwann gar nicht mehr ausgestiegen, manchmal wurden unsere Rucksaecke halbherzig durchsucht...da haette ich aber jeden Bombe durchschmuggeln koennen, so wie intesiv wie die gesucht haben. Also ein Tipp fuer alle Terroristen, wenn ihr in Sri Lanka nen Bombenanschlag machen wollt, sucht euch ein paar Weisse, die das fuer euch erledigen! Unsere Unterkunft fuer die naechsten tage war das "Beach Huts", wie der Name verspricht, gab es Huetten direkt am Strand, diesmal noch naeher als in Upuveli, vor der Huette begann schon der Sand. Und es gab leeeecka indisches Essen, weil der besitzer Tamile war! Yummy!

Hier die liebe Judith mit "unserem" Hund vor der Huette.
Was man vielleicht gar nicht so weiss ist, dass die Ostkueste Sri Lankas noch viel schlimmer vom Tsunami betroffen war, als die Westkueste, da die Welle hier ungebremst aus dem Pazifik auf das Festland prallte. Wenn man sich die Tafeln am Strassenrand so ansieht, bekommt man schnell den Eindruck, dass hier ohne NGOs gar nichts stehen wuerde und selbst dort gibt es viele unvollendetet Projekte. Es verwunderte also nicht, warum die Ostkueste so entwicklungsbeduerftig wirkt. Wie soll auch eine stabile Infrastruktur entstehen, wenn man von Krieg UND Tsunami derart zurueckgeworfen wird. Wenn aufgrund dessen dann das Geld das Touristen ausbleibt, weil sich keiner mehr hintraut, ist auch die wirtschaftliche Schwaeche nicht verwunderlich. Ein Hotelbesitzer klagte bei uns, dass er keine Gaeste empfangen kann, weil aus allen Wasserhaehnen nur braunes Wasser kommt...
Am allermeisten an ein Entwicklungsland erinnerte mich aber diese Tafel zum hygienischen Umgang mit Wasser und Wasserquellen.

Das ist die Hauptstrasse in Arugam Bay, nicht mehr als eine Sandpiste...

Arugam Bay ist einer der top Surforte der Welt, aber auch hier sind im Moment kaum Touristen, wiederum schoen ruhig fuer uns und eine Schande fuer die viele Guesthouse und Hotelbesitzer. Arugam Bay ist aber auch ein mutmachendes Beispiel, wie die vom Buergerkrieg gebeutelten Region aussehen koennen. Hier leben Tamilen, Singalesen und Moslems einhellig zusammen, spielen am Strand zusammen Volleyball und leben einfach friedlich zusammen. Auch hier fiel es mal wieder schwer, zu verstehen, warum dieser Krieg eigentlich gefuehrt wird.
Den Donnerstag haben wir dann erstmal zum ausruhen am strand genutzt, das Wasser war wenigstens nicht ganz so badewannen-warm wir in Trinco und wir haben schoen geplanscht, gelesen und uns leckere Bananenpancakes schmecken lassen.

Und das ist die Bucht:


...wie man sieht, nix los, wie im Bilderbuch und schoen ruhig.
Aber wir haben nicht nur faul am Strand rumgehangen, gelesen und geplanscht... Wir wollten Tiere sehen!
Also gings los zur Tuk-Tuk-Safari:

Und nach einer Weile Fahrt ins Landesinnere haben wir doch auch tatsaechlich ne grosse Horde wilder Elefanten gesehen. Das war soooo schoen, wir kamen ganz nah an sie ran und haben ihnen beim Fressen zusehen koennen. Wieder so ein friedlicher Moment, wo man den Sinn dieses Krieges einfach nicht verstehen kann. Es war sogar eine kleine Elefantenfamilie mit Babyelefant dabei, die sind dann grad um die Ecke verschwunden als wir kamen und der Tusker hat ganz schoen laut getroetet! Vor fuenf Jahren war ich mit Mama in dem Elefantenwaisenhaus in Pinnawella, das ist aber kein Vergleich dazu die riesigen Tiere friedlich in freier Natur mampfen zu sehen. Wir haben ganz lange einfach nur dagestanden und zugeschaut...




Hier sind eben auch die Schnecken etwas groesser!
Auf dem Rueckweg kamen wir natuerlich an vielen vielen Militaerposten vorbei. Offenbar war gerade Schichtwechsel und so haben wir entweder leere Wasserkanister oder Polizisten und Soldaten jeweils ein Stueck im Tuk-Tuk mitgenommen. Es waren ueberall Soldaten, die entweder von oder zur Arbeit kamen/gingen. Wir hatten das Gefuehl, es gaebe in der Region mehr Soldaten als Zivilisten...Diejenigen, die wir mitgenommen haben, haben sich aber dolle gefreut, dass wir sie fotografieren wollten und wollten dann immer das Bild aufm Display begutachten.
Am Samstagmorgen kam dann Tuk-Tuk-Safari Teil 2 dran und wir fuhren die Kueste entlang weiter nach Sueden bis nach Panama. Hinter Panama geht die Strasse uebrigens auch nicht mehr weiter, das ist sozusagen am Arsch der Welt.
Die Strasse dorthin sieht so aus:

Aber es gibt immerhin so ungefaher einmal am Tag nen Bus der dort faehrt.
Zwischendruch, wenn es mal ein bisschen mehr geregnet hat, sieht die Strasse dann auch mehr aus wie ein See...und man muss ein bisschen aufpassen nicht irgendwo zu versacken.

Bei diesen Infrastrukturverhaeltnissen wundert dann auch die "Rueckstaendigkeit" der Region nicht mehr.
Abgesehen von spannenden Strassen und hinterletzten Doerfern wollten wir aber vor allem Krokodile sehen! Dazu fuhren wir an diesen See:

Und wir wurden nicht enttaeuscht, von diesem Felsen aus, konnte ich gute 20 Minuten ein Krokodil beobachten, wie es seelenruhig im See rumpaddelte. Natuerlich haette ich das Tier im Zoo viel naeher gesehen, aber wieviel schoener ist es doch, zu beobachten wie so ein riesiges Tier in freier Natur seine Bahnen zieht.

Da sind wir noch ein bisschen rumspaziert.

Und zwischen den ganzen Mangroven im braunen Wasser hab ich auch ein Krokodil gesehen und plantschen gehoert.
Es war sehr schoen an dem See, wurde dann aber auch schnell unertraeglich heiss und so ging es zurueck nach Argugam Bay.
Hier noch ein paar Bilder vom Rueckweg:

Diese Wasserbueffel gibt es in der Gegend zu hauf. Und wie man sieht teilen sich Mensch und Tier eine Badewanne...

Mit Traktoren oder Rindergespannen werden die Reisfelder bearbeitet, besondern nach heftigem Regen eine sehr sehr matschige Angelegenheit.

Da war Strasse sogar mal ganz ok. Uebrigens natuerlich auch an diesem Wegesabschnitt alle paar Meter ein Militaerunterstand...
Am Nachmittag haben wir dann noch zwei Surfbretter ausgeliehen, um ein bisschen die Wellen zu nutzen. Da wir alle drei aber am Surfbrett nix konnten, sah das vermutlich ganz schoen laecherlich aus. Aber Spass hatten wir trotzdem und jetzt koennen wir sagen, dass wir in Arugam Bay surfen waren...
Am Sonntagmorgen ging es recht frueh dann wieder Richtung Westkueste, denn am Montag musste wieder gearbeitet werden.
Zum Schluss also hier noch der Blick, wenn man in der Huette aufm Klo sitzt!

Der Bus, den wir nehmen wollten, sollte doch tatsaechlich von Panama bis nach Colombo durchfahren. Als wir in Arugam Bay zusteigen wollten, hielt der aber nicht mal mehr an, weil er schon rappelvoll war. In so einer Situation kommen einem die Checkpoints dann aber zu gute. Also das naechste Tuk-Tuk geschnappt und dem Bus hinterher, im naechsten Ort war dann grad Kontrolle und so sind wir doch noch in den Bus reingekommen.
Die ersten Stunden im Bus waren sehr sehr anstrengend, da es so eng war, dass man eigentlich kaum beide Beine gleichzeitig belasten konnte, weil gar kein Platz war, um die Fuesse auf den Boden zu kriegen...naja wenigsten konnte man nicht umfallen.
Judith hatte Glueck und konnte nach 3 Stunden oder so...man verliert da ein bisschen den Ueberblick einen Sitzplat ergattern, allerdings mit Kind auf dem Schoss...

...Suresh und ich mussten 6 Stunden stehend ertragen, um dann weitere 6 Stunden sitzen zu duerfen, was dann irgendwie auch kein Vergnuegen mehr war.
Naja nach 13 Stunden oder so waren Judith und ich dann jedenfalls wieder in Kurana und wollten nichts mehr als duschen!
Zu allerletzt von dieser wunderbaren Woche, hier noch ein Foto, dass Judith an einem der Checkpoints geschossen hat. Man lese aufmerksam das Schild, erinnere sich kurz, dass es sich um einen Militaerkontrollposten handelt, lache sich tot ueber die "Kundenfreundlichkeit" und nehme sich den Satz fuer diesen Blog zu Herzen!