Dienstag, 26. Februar 2008

Landurlaub in Madampe

Am Wochenende hab ich mal einen Ausflug aufs Land gemacht. Suresh hat mich mit dem Motorad von zu Haus abgeholt und zum ersten Mal bin ich Richtung Norden aufgebrochen. Nach ner Stunde und ner riesigen Fliege, die der Fahrtwind in meine Augen geweht hatte, erreichten wir Madampe. Ein kleines Oertchen, in dem Suresh aufgewachsen ist und in dem seine Tante und ganz viel andere Familie noch wohnt.
Bei seiner Tante haben wir dann auch gewohnt, da hab ich dann mal so das richtige Durchschnitssleben kennengelernt... Zaehneputzen am Brunnen, duschen sowieso draussen, Klo: ein Loch im Boden mit Wassereimer als Spuelung, kein Papier...(Mama, dass waer nix fuer dich gewesen), einfaches Essen, dreckige Waende... Also alles schlicht und dennoch hab ich mich wohl gefuehlt, weil alles ausreichend war und alle so nett zu mir waren.
Den Abend dann mit Sureshs alten Schulfreunden verbracht (natuerlich als einziges Maedchen!)
Am Samstagmorgen hatten ein paar Kinder (unter anderem Sureshs kleine Kusine) Hausunterricht in Mathe... die haben sich dann halb tot gelacht als da so n grosses weisses Maedchen rumstand und die Konzentration war erst mal weg. Hab uebrigens am ganzen Wochenende fuer ungefaehr 10 Sekunden nen Weissen gesehen...demensprechend hoch war mal wieder der Anstarrfaktor...aber ich hab einfach allen Kindern immer wild zugewunken und dann haben die sich gefreut und noch wilder zurueckgewunken.


Am naechsten Morgen sind wir dann nach Marawila gefahren und dort zum Strand gegangen.


Da haben die Fischer grad das Netz reingezogen. Ich hab denen dann ein bisschen geholfen, war aber ganz schoen schnell kaputt und der Sand war so heiss, dass ich es kaum aushalten konnte...also lieber wie immer schwimmen gegangen, ausserdem hatten die fast nix im Netz!
Am Strand hab ich dann zaehlen auf Sinhala gelernt...kann ich jetzt bis zehn!
Vor dem Abendessen sind wir dann zum Tempel gegangen, was im Abendlicht ne schoene Stimmung war, und so sieht's da aus.


Dort hab ich dann von nem Moench, der schon ein bisschen viel Betel gekaut hatte glaube ich (Mund und Zaehne waren jedenfalls ganz schoen rot), ein weisses Baendchen um den Arm bekommen, begleitet von vielen gemurmelten Worten, die ich natuerlich nicht verstanden habe...aber auch sonst keiner, sie waren naemlich auf Sanskrit. Nu hab ich n Erkennungsbaendchen und bin volle Kanne drinne inner Community!
Fuer den Abend hatte ich ne Einladung von der Mama von Sureshs Freund, dort gab es dann sehr leckeren Fisch und verschiedene andere Curries und natuerlich Reis...
Und den Abend wieder etwas alkohollastig mit Sureshs Freunden verbracht, ne Hochzeitseinladung abgesahnt und 3000 Komplimente bekommen, wie viel einfach der Umgang mit nem europaeischen Maedchen doch ist. Bis zum Ende des Jahres werden alle von denen ausser Suresh verheiratet sein...etwas erschreckend, dass ein wichtiger Grund zu heiraten fuer die ist, endlich Sex haben zu koennen, das geht hier naemlich ohne Ehe so ueberhaupt nicht!

Am nachsten Tag hat mir Suresh dann gezeigt, wo er immer so gespielt hat als Kind, wir mussten bei sehr vielen alten Nachbarn anhalten, Tee oder Saft trinken, obwohl auch Suresh die schon 10 Jahre nicht mehr gesehen hatte und sehr oft beteuern, dass wir nicht verheiratet, geschweige denn ein Paar sind... Aber sehr nett, neugierig und gastfreundlich waren sie alle...
Hier sind einfach mal ein paar Fotos von der Landschaft und dem Doerfchen:




Um den Kleinen hatte ich ein bisschen Angst (war der Sohn von ner Ex-nachbarin), der hat sich mit seiner Hacke grad nen Wassergraben gebastelt und keine Schuhe an und ich hab schon gesehen, wie er sich das Ding in seine kleinen Fuesschen rammt...ist aber alles gut gegangen solang wir da waren.
Zum Mittag waren wir dann beim dem Schulfreund von Sureshs Vater (ja, jeder kennt jeden hier) und haben Fisch aus nem Fluss und mal nicht aus dem Meer bekommen...sehr lecker und die armen, duennen Streunerkatzen durften meine Reste haben...
Suresh hat mich dann am spaeten Nachmittag wieder sicher zu Hause abgesetzt und da war das Wochenende auch schon wieder rum!

Perahera in Colombo

Tatsaechlich haben wir es letzten Mittwoch geschafft nach Colombo zu fahren, es war poya, dass heisst Vollmond, die machen das also ziemlich clever hier: haben sich nen nationalen Feiertag ausgedacht, der einmal im Monat und nicht nur einmal im Jahr ist.
An diesem buddhistischen Feiertag wird kein Alkohol ausgeschenkt und die meisten Leute arbeiten auch nicht. In bestimmten Monaten sind dann in bestimmten Staedten zum poya day Umzuege (perahera). Der allergroesste ist im Sommer in Kandy, da bin ich ja aber schon wieder in sweet home Bielefeld! Also war es um so schoener, dass wir es trotz Arbeit (denn fuer uns gilt der Feiertag leider nicht) nach Colombo geschafft haben und es hat sich auch gelohnt!
Vom Busbahnhof zum Beira Lake, wo sich die Tempel befinden, hatten wir jedenfalls schon mal ne lustige und etwas beegnte Fahrt zu viert im Tuk-Tuk:

Viele Worte kann man da nicht machen, dass ist so ein bisschen wie ein Karnevalsumzug nur im Dunkeln. Es gibt jede Menge Taenzer und Trommler und allerlei Akrobaten... und natuerlich Elefanten...fuer letzte Woche waren 70 angekuendigt, ich hab sie nicht gezaehlt, aber es waren wirklich viele...denen werden dann fancy Kleidchen uebergeworfen und dann stampfen sie an einem vorbei. Leider kann man das alles gar nicht in Worte oder Fotos fassen, dass kann die Stimmung nicht annaehernd wiedergeben. Ich fand es wunderbar und habe die 2 Stunden mit grossen Augen und Ohren genossen...
Und hier einige Bilder (man kann die Bilder uerbigens durch "Draufklicken" groesser machen, fuer die, die es noch nicht bemerkt haben):






Sind dann noch mit Pula und Suresh was Essen gefahren und haben in der Tat auf der Strasse gegessen, dass muss man sich so vorstellen wie ein drive-in. Die Leute kommen in ihren Autos vorgefahren, hupen und die Bedienung kommt dann ans Auto, denn drinnnen ist es viel zu klein und vermutlich auch viel zu dreckig. An die dort servierten Chicken-Cheese-Rotti kommt nix ran! Koestlich! Und weil ja Feiertag war, sind wir sogar recht schnell mit dem Bus zu Hause gewesen.

Sonntag, 24. Februar 2008

Unawatuna und Mirissa zum Zweiten

Freitag vor einer Woche bin ich nach der Arbeit mit dem Bus nach Panadura gefahren. Die Busfahrt an sich war schon ein Highlight: in Colombo am Busbahnhof hab ich erstmal nicht kapiert, wohin ich muss...dass ist da alles ganz schoen gross... und die lustigen Busfahrer haben sich dann auch noch ein Spaesschen damit gemacht, das kleine weisse Maedchen in die falsche Richtung zu schicken. Nachdem ich das rausbekommen hatte, hatte ich aber auch schon den Sicherheitscheck meines Rucksackes durch nen recht muerrischen Soldaten hinter mir.
Endlich im richtigen Bus, komme ich mit dem Menschen neben mir ins Gespraech...wie das hier so ist... und der gute Mann hat mir dann seine halbe Lebensgeschichte erzaehlt, dass er Muslim sei, aber schon 5 Bier intus habe, weil heute Sri-Lankas-Cricket-National-Team gespielt habe (jeder biegt sich das so hin, wie es passt!) und wie seine Kinder heissen und dass die wunderschoen sind und wo er schon alles gearbeitet hat und dass ich zum Mittagessen oder zu nem Wochenendtrip vorbeikommen soll und dass ich auf jeden Fall anrufen soll...was ich bisher noch nicht gemacht habe! Sollte ich aber in Noete kommen... :)
Von Panadura ging es dann mit dem Auto weiter in den Sueden. Im Auto sassen Pula (Freund von Suresh und Autobesitzer), Suresh und Celine (Sureshs sehr netter Besuch aus Frankreich) und so sind wir mit nem kleinen Mahlzeits-stopp bis nach Hikkaduwa gefahren, wo wir in nem Guesthouse geschlafen haben.
Abends ging es dann ab auf ne Freiluft-Party, wo sich ziemlich schreckliche elektronische Musik mit ziemlich super cooler live Trommelmusik abgewechselt hat...
Und das sind die Feierwuetigen des Abends:

Celine - Suresh - Annepanne - Pula
Und da noch mal von Nahem:

Am naechsten Morgen hab ich unter nem Stuhlkissen dann die fetteste Spinne meines Lebens gesehen (also so in freier Natur), baehhhh:

Eigentlich dachten wir, dass wir in Hikkaduwa bleiben wuerden, nachdem wir aber eine mehr als enttaeuschende glass-bottom-boat-tour ueber 15 Fische und braune flache Korallen hinweg gemacht haben und der Strand voll und dreckig war, haben wir kurzerhand beschlossen nach Unawatuna weiterzufahren, was definitv die richtige Entscheidung war!
Zu dem Zeitpunkt waren dann auch schon Judith, Michael und Anja (noch ne neue Praktikantin) auf dem Weg zu uns und so haben wir den Samstag und Sonntag in ner ser netten, grossen Gruppe verbracht...ausserdem kann bei der Umgebung ja gar nix schief gehen...


Sonntag haben Anja, Michael, Suresh und ich dann ne sehr spannende Klettertour auf den Felsen ueber dem Meer gemacht, was Judith und ich beim letzten Mal schon versucht hatten. Diesmal also ohne Schuhe...was gut ging, auf dem Rueckweg aber ne Qual war, weil die Steine bruetend heiss wurden in der Sonne. Hat Spass gemacht und das kuehle Bad im Meer und das Rumhaengen am Strand hatten wir uns danach wirklich verdient!
Die anderen mussten am Sonntag abend wieder abreisen und ich hatte das Glueck am Montag out of office arbeiten zu duerfen, da ich am Dienstag eh in Kogalla (unserer Fabrik im Sueden) einen Termin hatte. Und so bin ich am Montag mit Suresh und Celine nach Mirissa gefahren. Eigentlich wollten wir den Bus nehmen, aber dann kam ein Tuk-Tuk-Fahrer vorbei, der ohnehin in die Richtung wollte und der hat uns dann fuer sehr wenig Geld mitgenommen und irgendwie etwas zu spaet rausgelassen. Das stellte sich aber als Glueckfall heraus, denn so landeten wir an einem Strand, den wir ganz allein fuer uns hatten mit den allerbesten Wellen, die ich je erlebt hab...


Es war schon allein eine Kunst ueberhaupt ins Wasser reinzukommen, weil die Wellen so heftig waren, war man aber einmal drinnen, konnte man wunderbar durchtauchen, draufschwimmen und hoch- und runterwippen...nach 10 Minuten war man dann aber so platt, dass man sich erstmal ne halbe Stunde ausruhen musste.
Der Strand war einfach ein Traum und wir hatten ihn tatsaechlich ganz fuer uns allein!
Ich hab dann angefangen ein paar kleine Muscheln zu sammeln...

... und Suresh und Celine haben Kokosnuesse geklaut, damit wir was zum Trinken hatten!

Zurueck in Unawatuna haben wir bei Bijou (dem Besitzer des Hostels) dann noch ein Wunschmenue bekommen, uns alle ueberfressen und ich hab dann noch ein bisschen gearbeitet. Koennte mein Buero fuer immer dorthin verlegen!
Wunderschoenes Wochenende!

Montag, 11. Februar 2008

Party. Tempel. Saree. Suresh. Strand. Glueck.

Wieder mal ein kunterbuntes und tolles Wochenende erlebt in der Reihenfolge, die die Ueberschrift schon preisgibt.
Sind Freitag nach der Arbeit wieder mit Paul nach Colombo gefahren, weil dort die Abschiedsparty von einem Sri Lanker war, der aber in Australien lebt, was fuer ne multi-kulti Welt... Auf der Party fanden sich dann diverse Nationalitaeten: Japan, Malediven, Indien, Sri Lanka, Deutschland, Polen, Finnland, Niederlande, Serbien und was weiss ich nicht alles... war sehr nett und vor allem der Auftakt zu einem Wochenende, an dem ich mal endlich fast nur Englisch sprechen konnte!
Wir haben dann auf einer Dachterasse ueber Colombo so vor uns hingefeiert und auch den ein oder anderen Arrak (zuviel) genossen!
Nach einer wenig bequemen Nacht auf Kissen, die gerade mal Schulter- und Hueftknochen so einigermassen polsterten und mit ganz ordentlichem Kater haben wir uns dann aufgemacht, Colombo an zu sehen.
Wir sind uebrigens mitlerweile drei: Judith und ich natuerlich, und seit letzter Woche ist auch Michael mit von der Partie und so sehen wir nach durchzechter Nach aus:

Nach dem die beiden gefruehstueckt hatten (bei mir ging noch nix rein), sind wir zu einem sehr sehr schoenen Tempel gefahren, dort hab ich mich dann ungefaehr ne Stunde auf die kuehlen Fliesen gesetzt und mir Kumpel Buddha mal genauestens betrachtet...
...und irgendwann fing er an zu laecheln...und er hat die Lebensgeister wieder ein bisschen zurueck gebracht...
Hier weitere Eindruecke aus der wunderschoenen und sehr umfangreichen Tempelanlage, die fast alle Michael eingefangen hat...ich war ja mit meinem Freund Buddha beschaeftigt!




Von dort aus ging es weiter zum Beira Lake nur wenige hundert Meter enfernt, in dem es auch einen kleinen Tempel gibt...mal sehen ob mein dort abgelegter Gluecks-Rupie Wirkung entfaltet?! Um diesen Tempel herum findet zum poya day (Vollmondtag) im Februar eine Prozession statt und alles ist dann mit Lichtern geschmueckt..hoffentlich schaffen wir es, uns das naechste Woche an zu sehen!

Dann sind wir noch ein bisschen weiter durch Colombo gelaufen, haben uns in grosse Schweissperlen verwandelt, sind unabsichtlich durchs Regierungsviertel gelaufen, wo ausser uns nur Militaer und Polizei war und sind schliesslich zum Galle Face (der Uferpromenade von Colombo) gelaufen, da war es aber nur so mittel-schoen...ein paar Baeume wuerden Wunder wirken...:

Dann hatten wir genug von der Hitze, also ab zum groessten (und klimatisierten) Shopping Center von Colombo...oben an der Rolltreppe angekommen, hab ich dann diesen saree gesehen, mich verliebt und nach etwas Anstands-Nachdenkerei dann auch gekauft, obwohl er ganz schoen teuer war...und gleich mal anprobiert:

Von dort aus hab ich mich dann allein auf die Socken gemacht, hab nen Bus angehalten und bin nach Panadura (weiter suedlich von Colombo) gefahren. Dort sollte mich Suresh (ein Freund von ner Freundin von Anita...kleine Welt) abholen, was auch wunderbar geklappt hat. Bei ihm und seiner Familie bin ich dann den Rest vom Samstag und den ganzen Sonntag geblieben.
Ich wurde wie eine Verwandte und nicht wie jemand fremdes behandelt, musste Sureshs Mama hundertmal sagen, dass ich wirklich alles esse (ich wurde gemaestet) und das ich auch mit den Haenden essen kann und das es mir wirklich gut geht. Das Haus war einfach aber lebendig und ich hab mich sehr sehr wohl gefuehlt.
Am Samstagmorgen war dann erstmal saree-session angesagt. Eine Freundin von Sureshs Mama kam vorbei und die beiden kleinen, lieben Frauen sind dann ne Stunde um mich rumgewirbelt, haben gestritten, welche Falte nun schoener aussieht oder nochmal gelegt werden muss (das Ganze natuerlich auf Sinhala) und ich stand nur doof rum und hab mich ueber die beiden innerlich und irgendwann auch laut kaputt gelacht! Dann musste ich auch noch den kompletten Familienschmuck anlegen (und spaeter verhindern, dass mir Sureshs Mama all ihre Armreifen schenkt...), mir die Haare kaemmen lassen und Fotos machen und so sah das dann aus:

Links die Freundin, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte und rechts Sureshs amma (Sinhala fuer Mama).
Und hier noch mal ne andere Wickeltechnik...ich wuerde beide allein nicht hinkriegen!

Danach ging es dann aufm Motorbike ab nach Mount Lavinia (wieder etwas naeher an Colombo dran) zum Strand. Das Meer hatte wunderbare Wellen und war wie immer viel zu salzig und in Begleitung eines Einheimischen hab ich mich auch mal nicht ganz so exponiert gefuehlt. Suresh hat sich dann noch irgendnen Quatsch aus der Hand lesen lassen, seine Freunde kamen spaeter noch und wir haben es uns bei frischem Saft gut gehen lassen.
Zurueck bei ihm zu Hause standen schon 10 verschiedene Schuesseln auf dem Tisch und ich hab geschaufelt wie immer (bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass die Leckereien irgendwann wieder ein Ende haben...). Amma hat mich dann fest gedrueckt und gefragt, wann ich wieder komme, Suresh hat mich zum Bus gebracht und ich bin allein nach Haus geduest, weil ich ja hier nun auch schon weiss, wie das so alles laueft, mich einigermassen orientieren kann und mich auch allein im Dunklen auf dem Busbahnhof nicht mehr unheimlich, sondern ganz normal fuehle!
Irgendwann hab ich im Bus gemerkt, dass ich die ganze Zeit ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Ich war nach diesem Wochenende, an dem ich eigentlich ja keine besonderen Attraktionen besucht habe, einfach nur sehr gluecklich und es hat noch ganz schoen lang gedauert, bis ich einschlafen konnte!